TSV 2000 Handball

Rothenburg o.d.T.

Interview mit Andreas Amann

Psychologe mit Talent zum Charme

Torhüter Andreas Amann zählt zu den Erfolgsgaranten beim Handball-Meister TSV Rothenburg

ROTHENBURG – Wenn Andreas Amann mit seiner Band The Charming Musik macht, ist er einer von
drei ganz lieben Jungs, die mit Gitarren und Keyboard zusammen spielen und singen. Auf dem Handballfeld ist es mit dem Charme von Amann nicht mehr so weit her. Da ist beim Torhüter des TSV Rothenburg eine andere Haltung gefragt, eine, die dem gegnerischen Werfer verdeutlicht: Dein Ball kommt nicht an mir vorbei.

In der Mannschaft, die die Meisterschaft in der Landesliga geholt hat, gibt es einige, die eine ganz starke Saison spielen. Amann gehört dazu. Der Torhüter rettete einige Punkte und trug nicht wenig dazu bei, dass die Tauberstädter das Team mit den wenigsten Gegentoren der Liga sind. „Unsere Abwehr steht dieses Jahr ganz gut, da tut man sich als Torhüter leicht. Aber ja, ich denke auch, dass es bisher eine ganz gute Saison von mir war“, sagt Amann am Telefon. Nach den Feierlichkeiten vom vergangenen Wochenende ging es für den 26-Jährigen gleich wieder zurück zum Lehramtsstudium nach München. Mathe und Schulpsychologie.

Was den Sport betrifft, war Amann bisher weniger mobil. Der Rothenburger hat er immer für den Heimatverein gespielt. Als Nachwuchstorhüter schaffte er es in die Bayernauswahl, sein Debüt in der ersten Mannschaft fand in einem eher traurigen Umfeld statt. April 2008, Saisonfinale in der Bayernliga beim TSV Aichach, Endstand 27:27. Rothenburg stieg ab. In den Jahren danach spielte Amann mal mehr, mal weniger, und entwickelte sich dennoch konstant weiter, bis zum Leistungsträger. Speziell bei den Torhütern spielt die Erfahrung eine große Rolle. Bei Würfen aus kurzer Distanz bleibt angesichts der hohen Ballgeschwindigkeit kaum Zeit, um zu reagieren. Besser ist es, wenn der Torhüter schon vorher ahnt, wohin der Ball kommt. „Viele Werfer haben ihre Ecken, die man irgendwann kennt“, sagt Amann, außerdem lässt die Körperhaltung Rückschlüsse zu. Das gilt auch umgekehrt. „Man sieht speziell beim Siebenmeter ja oft schon vorher, ob der Torhüter eine Chance hat, je nachdem, wie er dasteht“, findet Amann. Das bekannte Rezept: „Die Körpersprache muss stimmen. Kopf hoch, breit machen. “Mit Charme hat das wenig zu tun.

Dass die Rothenburger nach dem heftigen personellen Umbruch im Sommer so souverän den Meistertitel geholt haben, hat auch Amann überrascht. Der Saisonauftakt, ein dürftiges 18:18 gegen den TV Erlangen-Bruck II, sah noch nicht nach Rückkehr in die Bayernliga aus. Nach dem zweiten Spiel, einem 24:21- Auswärtssieg beim hoch gehandelten TV Münchberg, war das schon anders. „Da haben wir gemerkt, da geht was“. Der Erfolg entwickelte eine Eigendynamik. Es folgten 19 weitere Siege aus den folgenden 21 Spielen. „Wir sind als Mannschaft zusammengewachsen, da fällt nie ein böser Ton“, nennt Amann ein Erfolgsgeheimnis. Ein weiteres war die Verpflichtung von Ivan Skaramuca, mit 148 Treffern der überragende Torjäger des Teams. „Spielerisch und menschlich“ sei der Ex-Erlanger mit kroatischen Wurzeln „ein enormer Gewinn.“ In seinem Schatten entwickelten sich andere zu Leistungsträgern. „Da gibt es einige, die in diesem Jahr einen Riesenschritt gemacht haben“, findet Amann. Phillip Schemm zum Beispiel, mit 107 Toren der zweitbeste Werfer, oder auch Patrick Wurst.

Das Schaulaufen des Meisters beginnt nun ausgerechnet im Derby gegen die HG Ansbach, die die schlimmste Saison ihrer Geschichte erlebt. „So eine schreckliche Serie wünscht man auch dem Rivalen nicht“, sagt Amann. Allerdings dürfte der Charme des Meisters kaum so weit reichen, dem darbenden Nachbarn die ersten Punkte zu schenken.

Interview mit ALEXANDER KECK